Tutorium: Farb-und Lichtabgleich für Foto-Composites

Foto-Composites sind eine großartige Möglichkeit um seine Kreativität und gestalterische Vision als Künstler auszudrücken. Sie verleihen die Möglichkeit Bilder zu erstellen, die anders nicht zu realisieren wären.  Viele Leute machen Aufnahmen von Landschaften oder Architektur, die eine tolle Kulisse für einen Hintergrund einer Szene bilden.  Aber nicht jeder hat Zugang zu Modellen und entsprechenden Kleidern, die zu der Szene passen.  Daher ist die Verwendung von freien  Fotos, sogenannte Stockfotos, von Modellen eine gute Alternative.  Eine umfangreiche Quelle für freie Fotos, die ich persönlich gerne nutzte, ist z.B. http://www.deviantart.com. Wann immer man freie Stockfotos verwendet, sollte man immer dessen Quelle angeben. Es ist wichtig sich die genauen Bedingungen bzgl. der Verwendung durchzulesen.  Diese werden von den Modellen selbst festgelegt und regeln z.B. ob man das neue Werk verkaufen darf, Veröffentlichungen in Printmedien, etc. Zur Nutzung rein persönlicher Zwecke stellt dies in der Regel keine wesentliche Einschränkung dar. Im Zweifel, einfach bei dem Modell noch einmal genau nachfragen.  Ich persönlich mache alle Fotos von meinen Hintergründen selber, da ich so einen engen Bezug zu meinem Bild habe und meine Vorstellung von einer bestimmten Szene verwirklichen möchte. Dabei greife ich mit unter auf begleitende Stockimages zurück, hier z.B. von Vögeln, falls ich selber kein passendes Bild besitze.

Beispiele meiner Foto Composites

Für mehr Informationen über meine Foto-Composites möchte ich gerne auf ein kürzlich von mir erschienenen Interview hinweisen, das ich für die Softwarefirma Alien Skin geschrieben habe, die Plugins anbietet: Exposure for Photo Composites


Das Projekt

Ausgangspunkt eines Foto-Composites ist ein Hintergrund und ein Foto von einem Modell, das man in die Szene retouchieren möchte. Dazu muss man im ersten Schritt das Modell von seinem ursprünglichen Hintergrund freistellen, z.B. durch eine Maske. Darauf gehe ich im Rahmen dieses Tutoriums nicht ein. Das Modell wurde in der Regel in einem anderen Umfeld aufgenommen als der Hintergrund. Hierbei spielen insbesondere Faktoren wie die Lichttemperatur und die Helligkeit eine wesentliche Rolle. Im folgenden werden wir uns ansehen, wie man einen passenden Farb- und Lichtabgleich zwischen den beiden Bildern bewerkstelligt, damit das Endergebnis glaubwürdig erscheint, so als ob das Modell wirklich in der Szene fotografiert worden wäre (im Idealfall).

Im folgenden werden wir  ein Modell in eine Landschaft retouchieren. Die Frau läuft alleine über das Feld. Die Landschaft habe ich in Aachen fotografiert. Als Modell nutze ich folgendes Bild:  freies stockfoto.

MANUAL_final_picture
Das finale Foto-Composite

Schritt 1

Der erste Schritt besteht darin, die Frau von ihrem ursprünglichen Hintergrund zu trennen und sie in das neue Bild der Landschaft zu plazieren. Offensichtlich ist das Kleid wesentlich zu hell  und die Farben passen nicht zur neuen Szene.  Zunächst reduzieren wir die Helligkeit des Modells mit Hilfe einer Gradationskurve (Englisch: Curves). Dies ermöglicht es die hellen Bereiche mehr abzudunkeln als die dunklen Bereiche.  Am besten verwendet man eine Einstellungsebene, so dass man die Gradationskurve auch später noch nachbessern und verfeinern kann. Die Einstellungen der Gradationskurve sind für jedes Bild unterschiedlich. Die hier gezeigte Einstellung ist etwas ungewöhnlich, da das Ausgangsbild sehr hell ist.

MANUAL_step_1Original Foto des Modells in den neuen Hintergrund plaziert
MANUAL_step_2Abdunklung des Modells mit Hilfe einer Gradationskurve (Englisch: Curves)

Schritt 2

Dem ursprünglichen Foto der Landschaft habe ich eine Textur überlagert, um dem Bild einen malerischen Akzent zu geben. Hierbei handelt es sich um die Textur Reispapier (Englisch: Rice Paper) aus der Software OnOneSoftware Perfect Effects. Dabei habe ich einen Teil der Farbe des Papiers beibehalten um einen gealterten Stil zu erzeugen. Diese Textur wird auch auf das Modell übertragen. Um den Effekt nur auf das Modell zu beschränken, verwenden wir eine Schnittmaske, die an dem kleinen Pfeil nach unten erkennbar ist, links neben der Miniaturansicht (Die Ebene mit der Frau befindet sich also direkt unter der dargestellten Ebene mit der Textur; hier nicht dargestellt). Texturen werden oftmals in Zusammenhang mit einem Blendmodus, d.h. einer Ebenen Füllmethode, angewendet die den Kontrast beeinflusst, z.B. Weiches Licht. Hier wurde ein stärkerer Effekt gewählt, nämlich die Füllmethode Strahlendes Licht (Englisch: Vivid Light), bei einer Deckkraft (Englisch: Opacity) von 39%.

MANUAL_step_3Anwendung der Textur auf das Modell

Schritt 3

Nachdem die Textur auf das Modell übertragen wurde erscheint die Farbe der Haut und der Haare als zu rot. Die Farben passen noch nicht perfekt zur Umgebung. Eine Technik die ich fast immer verwende um einen Farbabgleich zu bewerkstelligen ist die Verwendung des Photoshop Filters Durchschnitt  (Englisch: Average filter). Dieser befindet sich in der Kategorie der Filter für Weichzeichnen (Englisch: Blur). Wendet man diesen Filter auf das Bild der Landschaft an, so erhält man eine durchschnittliche, d.h. eine repräsentative Farbe des Hintergrundbildes (Englisch: Average Color).  Die mit dieser Farbe angelegte Ebene setzen wir in die Füllmethode Farbe (Englisch: Color) und reduzieren deren Deckkraft (Englisch: Opacity). Dies geschieht nach eigenem Empfinden, hier Deckkraft = 35%.  Wiederum verwenden wir eine Schnittmaske um den Effekt nur auf das Modell anzuwenden, erkennbar am kleinen Pfeil nach unten, links neben der Miniaturansicht.

MANUAL_average_colorErmittlung der repräsentativen Farbe mit Hilfe des  Filters “Durchschnitt”
MANUAL_step_4Anpassung des Vordergrundes mit Hilfe der repräsentativen Farbe des Hintergrundes

Schritt 4

Im letzten Schritt möchten wir das Licht berücksichtigen,  das vom Himmel auf die Haare scheint. Ausserdem beziehen wir die Reflexion des Lichtes vom Boden auf das Kleid mit ein, um dies noch natürlicher in seine Umgebung einzupassen.   Um die generelle Verteilung des Lichtes des Hintergrundes in dessen Helligkeit und Farbe  zu erfassen, zeichnen wir den Hintergrund weich, so dass Details verschwinden und wir eine glatte Verteilung der Farben erhalten. Dies empfindet sozusagen die Streuung des Lichtes nach, bei der feine Details irrelevant sind. Die Weichzeichnung erfolgt mittels Gaußscher Weichzeichner (Englisch: Gaussian Blur). Als nächstes projizieren wir die glatte Farb- bzw. Lichtverteilung  auf das Modell, wobei wir die Ebenen Füllmethode  Weiches Licht (Englisch: Soft light) vewenden und dessen Deckkraft reduzieren. Auch hier setzen wir wieder eine Schnittmaske ein um den Effekt auf das Modell zu beschränken.  Wie wir gut erkennen erhält das Haar einen schönen Glanz und sowohl die Haut als auch das Kleid nehmen etwas die Farbe seiner Umgebung an, so wie es auch in der Realität der Fall ist.  Dies beendet den Farb-und Lichtabgleich für dieses Bild.

MANUAL_gaussian_blurWeichzeichnung des Hintergrundes
MANUAL_step_5Projektion des weichgezeichneten Hintergrundes auf das Modell (Blendmodus:Weiches Licht=Soft Light)

 

Den Zeiger der Maus über das Bild bewegen um den vorher/nachher Effekt des Weichzeichnungsfilters zu sehen

 

JETZT NEU: Meine Hintergründe für alle

Ich freue mich ab sofort einige meiner Hintergründe für alle anzubieten. Meine Bilder eignen sich insbesondere für kreative Foto Composites. Viele Stockfotos sind nicht unmittelbar für Composites geeignet und man muss oftmals lange suchen bis man etwas für seine eigenen Kreationen findet. Andererseits ist bei freien Fotos oftmals nicht ganz klar, für was man diese einsetzen darf. Meine Foto Composites wurden bereits in der Zeitschrift Practical Photoshop und bei der Softwarefirma Alien Skin veröffentlicht und mehr als 40000 mal gesehen. Allein auf Google Plus wurden meine Fotos insgesamt schon über 1.5 Millionen mal angeschaut.

Sind die Hintergründe kostenlos ?!

Nicht ganz, da hiermit viel Arbeit verbunden ist. Die Idee ist, dass nicht jeder diese Hintergründe selber aufnehmen kann und ich speziell dafür in der Zukunft gezielt fotografieren werde. Man erhält dafür eine ordentliche Lizenz, die zeitlich uneingeschränkt und weltweit gültig ist. Die Preise belaufen sich auf $US 15 (1000px Bild), $US35 (volle Aufloesung, typisch 12MP). Dieses Angebot richtet sich vor allem an Fotokünstler, Designer und Hobby-Enthusiasten.


Hier geht es zu meinen Hintergründen für Composites

 

 

Wer mehr über meine Fotografie wissen will, findet mich auf folgenden Netzwerken:

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6 thoughts on “Tutorium: Farb-und Lichtabgleich für Foto-Composites

  1. Hallo Frank,

    nur man aus Neugierde gefragt: Warum schreibst du deine Tutorials üblicherweise auf englisch? Wenn ich das richtig verstehe, dann wohnst du in Deutschland und sprichst auch fließend deutsch?

    Vielen Dank im Voraus,

    Lena

    • Hallo Lena,
      danke fuer Deine Frage. Du hast damit den ersten Kommentar ueberhaupt hinterlassen. Prima. Meine Fotos veroeffentliche im wesentlichen auf 500px.com und auf Google Plus, wo es auch spezialisierte Gruppen zB fuer Landschaftsfotografie und Photoshop gibt, die sehr gut sind. Dies ist alles in der Regel International mit Schwerpunkt USA, Canada und England aber auch Asien und Dubai. Ich denke dass 90% meiner Bekannten und Leute mit denen ich in Kontakt bin Englisch sprachig sind. Das ergibt sich auch aus den workshops denen ich folge, wie kelbytraining und creativelive, wo die besten Tutoren vertreten sind. In Deutschland gibt es so etwas so gut wie gar nicht. Daher ist meine Zielgruppe vor allem der internationale, englischsprachige Raum. Da ich gesehen hatte, dass aber viel Bedarf und Fragen in der deutschen Photoshop Gruppe ist, habe ich mal etwas uebersetzt um mehr Leute anzusprechen. Ich mach das ja nur als Hobby, da ist es mehr Aufwand alles in zwei sprachen zu schreiben. Da ist Englisch einfach fuer mehr Leute zugaenglich. Meine Tutorials werden auch auf photoshopcafe.com gepostet, vom Buchautor und Photoshop Guru Colin Smith in Los Angeles. Wenn Du mal Fragen oder Anregungen hast kannst Du diese ja gerne auch im Formular auf der rechten Seite hinterlassen. Ich versuche auch so eine kleine Photoshop Grundlagen Sektion zu machen, fuer Fragen die immer wieder auftreten, dann kann man das bei mir nachlesen. Gepostete Kommentare erscheinen nicht direkt, da ich diese erst anschaue und dann erst freigebe. Bis dann, Frank.

  2. Hi,

    sehr gutes Tutorial, alles verständlich und gut erklärt. Hier gefällt mir das Bild, welches sich beim Drüberfahren ändert, am besten. Es war schon vieles bekannt aber eben nicht alles. Man lernt wie hier immer dazu! Werde dies in Zukunft berücksichtige, vielen Dank :)

    Gruß Michi

    • Hallo Michi,
      danke für Deine freundliche Rückmeldung. Gut zu wissen dass mein Tutorium verständlich ist. Ja, das Bild zum drüberfahren ist ganz nett. Ansonsten sieht man den Unterschied sehr schwierig, auch wenn man noch so genau hinschaut. Wenn noch Fragen oder Anregungen zu weiteren Anleitungen bestehen, einfach
      einen Kommentar hinterlassen oder das Formular auf der rechten Seite verwenden. Ich sehe mir die Kommentare erst an, bevor ich sie freigebe. Daher erscheinen sie nicht direkt. Gruesse, Frank Bramkamp.

  3. Hi Frank

    nur zur Info: Mouseover beim Bild funktioniert bei mir weder mit Chrome noch mit IE, beides Win 8.1.

    Das mit der Durchschnittsfarbe war mir neu. Werde ich beim nächsten Composing ausprobieren.

    Wenn du magst, sehen wir uns hier: 500px.com/ulrichkiel

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